In der Wiehre wird es eng für die Altbäume: Die Baumscheibe zu klein und im Regenschatten der Baumkrone, der Boden völlig verdichtet.

Der Platz fürs Auto bleibt, aber nach der Umgestaltung (rechts) kann Regenwasser versickern und in den Pflanzecken werden Blumen die Heimkommenden begrüßen.

Bei sommerlichen Wolkenbrüchen ist die Kanalisation vom vielen Regen zunehmend überfordert, alten Bäumen fehlt gerade bei Hitze das überlebenswichtige Wasser. Mit einer oberirdischen Versickerung ist beiden geholfen!

Nach sommerlichen Hitzeperioden kommt es bei einem Wolkenbruch auch in der Stadt immer häufiger zu Überflutungen, wie im August 2023 im Bereich der Günterstalstraße. Grund dafür sind die großen Wassermassen, die sich bei hohen Temperaturen in den Wolken sammeln. Die Klimaerwärmung sorgt damit für heftigere Regengüsse, auf die unsere Kanalisation aus dem letzten Jahrhundert nicht mehr ausgelegt ist. Nach einem Gewitter staut sich dann Wasser auf den Straßen, im schlimmsten Fall auch in Kellern.

Um die Kanäle und Rohre der Wasserwirtschaft zu entlasten, muss das himmlische Nass zusätzlich über die Oberfläche versickern. Am besten gelingt das über den offenen Boden von Grünflächen oder Baumscheiben. Aber auch Schotter, Kies oder Pflastersteine mit breiten Fugen nehmen viel Wasser auf und sind trotzdem begehbar.

In der Freiburger Wiehre sind 41–60 % des Bodens überbaut. In einzelnen Bereichen, wie beispielsweise auf dem Ganterareal, findet sich kein einziger Quadratmeter offener Boden. Damit liegt der Stadtteil im Durchschnitt deutlich über dem mittleren Versiegelungsgrad der Stadt mit knapp 50 %.

Bei Neubauvorhaben müssen Niederschläge auf dem eigenen Grundstück versickern. Über eine mindestens 30 cm dicke, bewachsene Bodenschicht gelangt das Wasser ganz natürlich und gereinigt in die Tiefe. Mikroorganismen in der Erde filtern Schwermetalle und viele organische Schadstoffe aus, bevor ungebrauchtes Wasser weiter ins Grundwasser versickert.

In einem bereits gebauten Stadtteil gibt es oft viele unnötig versiegelte Flächen, die sich stattdessen mit durchlässigem Material belegen lassen. Selbst auf Gehwegen anfallendes Regenwasser kann ohne Schaden in Pflanzbeete oder Baumscheiben der Straßenbäume eingeleitet werden.

Die alten Bäume in der Wiehre hatten Glück: Als sie vor 50 oder 60 Jahren gepflanzt wurden, gab es im Untergrund noch viel Platz für die Wurzeln. Das hat ihnen bislang zu einem überdurchschnittlich langen Leben verholfen. Langanhaltende Hitze und der knochentrockene Boden machen den Bäumen inzwischen schwer zu schaffen. Damit weiterhin genug Wasser zu den Feinwurzeln in den tiefen Erdschichten gelangt, braucht es mehr als ein paar Gießkannen. Für ein Pilotprojekt in Berlin hat das Bezirksamt ein parkplatzgroßes Stück Straßenasphalt neben den Altbäumen herausgeschnitten, den verdichteten Boden durch luftiges Material ersetzt und anschließend mit wasserdurchlässigem Splitt eine begehbare Oberfläche geschaffen.

Der Clou: Am Bordstein entlang fließt das Regenwasser in die tiefgründige Baumscheibe und bis zu den Wurzeln. Die Kanalisation freut sich und der Baum ist rundum gut versorgt! Kleine Maßnahme – große Wirkung: so klappt‘s auch mit der Schwammstadt!

Auf privaten Flächen ist viel Potenzial
In der Wiehre mit ihrer gründerzeitlichen Bebauung und den Straßenzügen der Nachkriegs- und 1970er Jahre findet sich viel unnötig versiegelter Boden. Lag bei ihrer Entstehung das Hauptaugenmerk auf einer möglichst sauberen und schnell befahrbaren Fläche, so haben sich die Ansprüche an eine lebenswerte Umgebung in den letzten Jahren deutlich verändert. Die zunehmende Hitze erfordert Kühlung, die Menschen wünschen sich mehr Grün im Stadtbild und es wird Zeit, das eigene Grundstück auf den Prüfstand zu stellen.

Viele Höfe oder Einfahrten sind überdimensioniert und hätten genug Platz für einen grünen Randstreifen mit blühenden Pflanzen, der gleichzeitig Wasser aufnimmt. Auf Parkplätzen lässt sich auch ohne Asphalt gut parken und gleichzeitig Wasser speichern. Wer gerne rechnet, spart mit jedem Quadratmeter unversiegelten Boden auf seinem Grundstück Abwassergebühren.

Oft reicht ein dünner Kiesüberwurf für einen privaten Weg, aufkommende Pflänzchen sorgen dabei für mehr Biodiversität. Bunte Blumenbeete im Vorgarten sind interessanter als betongraue Platten und bedeuten Lebensraum für Insekten. Statt mit Asphalt lassen sich Parkplätze auch mit einem Schotterrasen oder Rasengitterelementen stabil befestigen. An heißen Sommertagen heizt sich ein Grünstreifen oder ein heller Kiesbelag weniger stark auf. Das trägt zusätzlich zu einer Reduktion der städtischen Hitzeabstrahlung bei.

Die Stadt fördert private Entsiegelungsmaßnahmen mit dem grünhoch3-Programm, die Initiative Freiblocks will zu mehr Klimaresilienz in der Wiehre beitragen. Jeder Quadratmeter zählt!

Katja Richter

Sie wollen helfen, unsere Stadt zu kühlen? Haben Sie einen versiegelten Parkplatz, einen asphaltierten Hinterhof oder eine Einfahrt in Freiburg? Dann melden Sie sich bei uns! Die Freiblocks beraten und unterstützen bei einer wassersensiblen Umgestaltung: mail@freiblocks.de


Asphalt knacken für die Schwammstadt

Die Freiblocks und der Bürgerverein
Mittel-Unterwiehre laden ein:

Freitag, 28. März, 19–21 Uhr
Urachstr. 3, im Weingut Andreas Dilger

Bettina Walch von den Asphaltknackerinnen berichtet über ihre Arbeit in Zürich, die Freiblocks stellen sich vor. Im Anschluss ist Zeit, Fragen zu stellen und über Potenziale in der Wiehre zu diskutieren. Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen.


Stadtteilrundgang

der Initiative Freiblocks und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) am Samstag, den 5. April 2025:
Platz und Zeit sind ein rares Gut: Für klimaresiliente Städte muss bei der Mobilitätswende Stadtgrün und Regenwasser immer mitgedacht werden! Nur so bleiben unsere Städte auch bei wärmeren Temperaturen lebenswert und für alle nutzbar. Mit einer guten Planung lässt sich viel unterbringen in einer Straße, ein entweder (Radweg) oder (Baum) können wir uns nicht leisten.

Der Rundgang durch die Wiehre zeigt an konkreten Beispielen, wie es geht und gehen könnte. Katja Richter, Landschaftsarchitektin und Klimajournalistin, erklärt die Bausteine der Schwammstadt, öffnet den Blick für größere Zusammenhänge und zeigt, wie einfach ein verkehrsberuhigter Superblock mehr Platz für Grün und Menschen schafft.

Start ist um 14 Uhr am Bahnhof Freiburg-Wiehre (Gerwigplatz), um 15:45 Uhr kommen wir am Haus des Engagements an.