Nach zwei von der Stadt wieder zurückgezogenen Ausschreibungen (siehe Wiehre Journal 47 und 49, Jahrgang 2017) gelang nun endlich der große Wurf: Statt den teuren Grund und Boden an Immobilienhaie für die üblich gewordenen Bauschachteln mit hohen Mieten und vergleichsweise wenig Wohnraum zu verkaufen, vergab die Stadt Freiburg im dritten Anlauf die Grundstücksfläche hinter der alten Feuerwache in der Kirchstraße 51 in Erbpacht. In Verbindung mit der Vermietung der ehemaligen Feuerwehrgerätehalle an die Volker-Homann-Stiftung entsteht dort durch die TreuBau Freiburg AG, in dessen Vorstand Volker Homann wiederum den ersten Platz einnimmt, eine komplett barrierefreie Bildungs- und Begegnungsstätte für Seniorinnen und Senioren. Nach der Fertigstellung wird es das Heinrich-Hansjakob-Haus in der Talstraße ersetzen, dessen Träger, der Caritasverband Freiburg, nach dem Umzug dann eine, durch verschiedene Zuschüsse vergünstigte Miete an die Volker-Homann-Stiftung zahlen wird.

Vom ersten runden Tisch im Rathaus im Sommer 2018, zu dem Bürgermeister von Kirchbach neben Herrn Homann auch Vorstandsmitglieder des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre eingeladen hatte, bis zum Spatenstich am 6. Februar 2025 war es ein langer Weg. Gesäumt wurde dieser von Denkmalschutz- und Brandschutzverordnungen, Baurechts-paragrafen, aber auch von Verbesserungsvorschlägen des Gestaltungsbeirats, dem der Entwurf der TreuBau Freiburg AG (Architektin Astrid Fath) im Oktober 2022 vorgelegt wurde.

Zur Feier des Spatenstichs luden die Stadt und der Bauträger neben Weihbischof Dr. Dr. Christian Würtz, als Vorsitzenden des Aufsichtsrats des Caritasverbands, der in einer kurzen Ansprache die Grüße des Papstes übermittelte, auch die unmittelbare Nachbarschaft ins geheizte Spritzenhaus ein. Diese folgte der Einladung gerne, um Informationen über die anstehenden Veränderungen nebenan aus erster Hand zu erhalten. So führte Frank Barrois, Vorstandsmitglied der Caritas Freiburg-Stadt, virtuell durch das Bestandsgebäude und den durch einen komplett verglasten Durchgang verbundenen, zweigeschossigen Neubau. Die alte Feuerwache mit ihren 130 m² Nutzfläche erhält eine kleine Küche und wird zu einem lichtdurchfluteten Begegnungs- und Veranstaltungsraum ausgebaut. Hell wird es, weil die historischen hohen Toranlagen an beiden Seiten der Halle erhalten bleiben, jedoch eine zeitgemäße Verglasung erhalten sollen.

Im Erdgeschoss des Neubaus wird es einen ca. 70 m² großen Multifunktionsraum, einen Kunstraum und einen Beratungsraum geben. Im Obergeschoss sollen sich neben Büroräumen ein Be-sprechungsraum, ein Musikraum und ein Lager befinden.

Die ‚neue‘ Feuerwache am Annaplatz versteht sich laut Herrn Barrois als Zentrum für ältere Menschen, soll jedoch als „Wohnzimmer der Wiehre“ allen Generationen offenstehen und diese Offenheit künftig durch generationsübergreifende, integrative und inklusive Projekte fördern.

Der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre erhält eine bevorzugte Nutzung der Räumlichkeiten für Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen, Vortragsveranstaltungen und Ähnliches und wird künftig auch im Beirat der Bildungs- und Begegnungsstätte sitzen, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern des Trägers, der Stadt und des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre zusammensetzen soll.

So hat sich der fast zehn Jahre währende Einsatz des Bürgervereins für eine sinnhafte neue Nutzung der alten Feuerwache wahrlich gelohnt – wiewohl wir zu Beginn nicht ahnten, dass auch der Bürgerverein dort nach 150 Jahren eine Heimat finden würde.

Loretta Lorenz